See you 2234

von Lifestyle

8. März.: Weltfrauentag. Und weiter?

Der Internationale Weltfrauentag hinterlässt bei mir jedes Jahr wieder ein zwiespältiges Gefühl. Brauchen wir wirklich im Jahr 2018 noch ein fixes Datum, an dem Gesellschaft, Politik, Kultur und Wirtschaft die Gleichberechtigung der Geschlechter einfordern oder zumindest den Anschein zu erwecken suchen sie sei ihnen wichtig? Sollte nicht jeder Tag ein Weltfrauentag sein, bis das Ziel de facto erreicht ist, bis Frauen tatsächlich die gleichen Chancen haben wie Männer? Ich lese Statements, höre Meinungen für und wider, bin erstaunt, mit welchem Selbstverständnis ein bestimmter Typus Mann sein abgestecktes Terrain verteidigt, Frauenrechtlerinnen als Kampflesben einordnet und seine Geschlechtsgenossen, die sich für die Rechte der Frauen aussprechen, als Sitzpinkler einordnet. An dieser Stelle liebe Grüße nach D.C.

Laut Gender Gap Report des Weltwirtschaftsforums 2017 brauchen wir Frauen nur noch schlappe 217 Jahre, und schwupp sind wir auf dem Arbeitsmarkt zu hundert Prozent gleichberechtigt. Dann also: see you 2234.
Zu denken gibt, dass westliche europäische Länder stagnieren oder im Ranking abrutschen. Im Bereich Wirtschaft belegt Deutschland Platz dreiundvierzig, im Bundestag sitzen die wenigsten Frauen seit zwanzig Jahren. Selbst Frauen, die sich bislang strikt gegen eine Quote aussprachen, erkennen inzwischen, dass wir in vielen Bereichen nicht ohne eine Quotierung vorankommen.

„Doch so ritualisiert das Gedenken an die Ungerechtigkeit zwischen den Geschlechtern ist, so uninspiriert sind die meisten Beiträge, die einem an diesem Tag begegnen“, schreibt die Journalistin Karin Janker. Wirklich einig sei man sich ihrer Meinung nach auch am Weltfrauentag nicht, ob das so stimmt mit dem Gender Pay Gap, wie ein Zitat eines Arbeitgebervertreters in Deutschland zeige, wonach „Frauen, wenn sie die gleiche Ausbildung, die gleiche Arbeitserfahrung und – vor allem – die gleiche Attitüde wie Männer im Job hätten, dann auch sicherlich das gleiche Gehalt bekämen“. Die gleiche Attitüde? In welchem Zeitalter lebt dieser Mensch? Nach solchen Sätzen bleibe ich noch ratloser zurück, ob ich den Internationalen Weltfrauentag für obsolet oder für dringend notwendig halten soll.

Aufschlussreich ist übrigens der Eingangssatz unserer Bundeskanzlerin in ihrer Rede zum Weltfrauentag 2018: „Heute wende ich mich nur an Sie, liebe Frauen in Deutschland“, beginnt sie. Aha, der Weltfrauentag und überhaupt das Thema Gleichberechtigung von Mann und Frau geht offenbar nur Frauen an. Hast immer noch nix verstanden, Angela. Setzen und zügig deine längst überfälligen Hausaufgaben erledigen.

Last modified: 8. März 2018

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