Zufluchtsorte

Der Frühling hat nur ein kurzes Gastspiel gegeben, jetzt übernimmt der Winter noch mal die Regie. Wie komme ich da durch?

Der erste Schluck aus der Tasse mit frisch zubereitetem, dampfend heißem Kaffee, dazu eine Praline, ein Stückchen dunkle Schokolade oder ein Bissen Kuchen – so schmeckt die angenehme, die schöne und leichte Seite des Lebens. Zugegeben, dieser Einstieg in einen Text klingt wie der Anfang eines zuckersüßen Romans aus früheren Epochen, der vom Leben der Frau in der „besseren“ Gesellschaft handelt.
Weil schreiben und Kaffee trinken für mich zusammengehören, hatte ich auf Mein blauer Lippenstift schon erzählt, wie mich die Glückshormone schweben lassen, sobald sich die Komponenten Kaffee und Schokolade im Mund vermischen. Herrlich, aber ungesund, ich weiß, ich weiß. Aber was soll’s: Es ist März, in Berlin schafft es der Frühling noch nicht wirklich, sich gegen die letzten Anstrengungen des Winters durchzusetzen. Auf den Gehwegen knirschen unter den Schuhsohlen nach wie vor Unmengen des gegen Eisglätte gestreuten Splitts, vor den Cafés unter den Markisen sitzen neben den Rauchern nur die Kälteunempfindlichen. Wir anderen flüchten uns nach drinnen. Okay, ich schweife ab… Also: Es ist März und schlechtes Wetter. Was alljährlich im November unvermeidbar ist, bleibt in diesem Jahr auch im März das Heilmittel meiner Wahl: Ich brauche etwas Süßes zum Aufheitern. Bitte, liebe Ernährungsbewussten, lasst es gut sein. Zucker ist keine Lösung, das ist mir klar. Und wo Schokolade, da auch Zucker, auch diese Tatsache ist hinlänglich bekannt. In diesem Fall bleibe ich genauso unerbittlich wie ihr, ich bestehe auf mein Verlangen nach Kaffee und Süßem (in überschaubarer Dosis, falls euch das beruhigt).

Da ich leider keine begabte Kuchenbäckerin bin und keine Lust habe die Küche nach meinem kläglichen Backversuchen zu putzen, nutze ich meinen neuen Heimvorteil. Egal welche Richtung ich einschlage, sobald ich vor der Haustür stehe, bin ich in wenigen Minuten in einem Café und habe die Qual der Wahl zwischen

Karottenkuchen, serviert von einem der netten Studenten, https://www.yelp.de/biz/early-bean-berlin

Himbeer-Cheesecake, von dem ich das erste Stück bekommen werde, da er eben erst aus der Küche gebracht wird, http://www.cafemosaique.de/

einem Klassiker wie Tiramisu, http://www.kaffeehaus-mila.de/

einer Blaubeertarte, wie sie in Berlin wohl nur beim schwäbischen Maître zu finden ist http://www.cafe-maitre-muench.de/

oder einem Stück Obstkuchen im gemütlichen Wintergarten. http://literaturhaus-berlin.de/

Meine aktuelle Schreibstimmung: In den grauen Himmel gucken hilft nicht. Ich werde das Notebook in die Tasche packen, den Mantel anziehen und ins nächste Café flüchten.
Der Lippenstift: „Caramel Glam“ von Lavera      HKW_Website_ Icon Artikelende