Botox war gestern

von Beauty

„Ein älteres Bild zu restaurieren, braucht einfach länger“, sagte eine befreundete Maskenbildnerin. Was sie meinte, war der Zeitaufwand, den es kostet das Gesicht von nicht mehr ganz jungen Schauspielerinnen zu schminken, sie zu frisieren und für den Auftritt herzurichten. Flüchtig aufgetragenes Make-up auf reifer Haut geht gar nicht. Stimmt genau, dachte ich wehmütig an die Zeit, als ich morgens das Badezimmer deutlich weniger lang belegte als heute.

Und das, obwohl ich vor einiger Zeit den Entschluss gefasst habe, meine Beautyrituale zu ändern. Nicht radikal, Haut, Haare und Zähne werde ich immer konsequent pflegen. Aber ich verzichte auf die gelegentliche Botoxspritze und die Hyaluronpolster unter der Wangenhaut. Mein Tagespensum ist mit Yoga, Gesichts- und Körperpflege, regelmäßigem Besuch bei Friseur, Maniküre und Pediküre ohnehin schon gut gefüllt. Die Zeit ist mir einerseits zu kostbar, ich muss schließlich schreiben, lesen, ins Theater gehen etc., etc. Außerdem ufert der zeitliche Aufwand – wie meine Freundin es auf den Punkt brachte – aus. Es dauert von Jahr zu Jahr länger, dem jugendlichen Aussehen hinterherzujagen. Was sowieso nur bedingt gelingen kann, denn: Wir bleiben nun mal nicht for ever young.

 

Foto: Amanda Jordan – Unsplash

Alle meine kleinen Schönheitsexperten sind mir lieb und teuer. Und doch vernachlässige ich sie inzwischen immer öfter. Nicht meine Lippenstiftsammlung, oh nein! Die hat ihren nicht verhandelbaren Stammplatz im Bad. Den passenden Duft zu meiner Stimmung wähle ich auch jeden Tag aus. Aber die anderen diversen Schminkprodukte bleiben schon mal ein paar Tage lang unbeachtet im Schrank.

 

 

 

 

Foto: Mahkeo – Unsplash

Bevor jetzt ein schräges Bild entsteht, sei gesagt, dass ich auf mich bzw. mein Aussehen achte, daran wird sich nie etwas ändern. Die einstige Beautyredakteurin ist irgendwo in meinem Inneren verborgen gut aufgehoben. Als Schutz vor Verwilderung.
Doch ich habe neue, andere Prioritäten, die mir genauso wichtig sind wie die Optik. Die Frisur sitzt heute mal wieder nicht wie gewünscht? Zum Glück sind Betonfrisuren, bei denen kein Haar es wagt, sich dem Griff des Haarsprays zu widersetzen, schon lange passé. Ich halte es mit den beiden Ponys: Was soll der Stress, Hauptsache wir haben was Leckeres zu futtern.

 

 

Foto: Janita Sumeiko – Unsplash

Früher war nur der Lidschatten in Pastell. Heute komme ich ins Schwärmen, wenn ich in einem Schaufenster Meringues sehe. Am liebsten in einer Pâtisserie in Paris. Die Zutatenliste für dieses kleine Glück ist denkbar einfach: geschlagenes Eiweiß, Zucker, Zitronensaft. Da die süßen Wolken pro Stück jedoch mit rund vierhundert Kalorien nicht gerade zu den Schlankmachern zählen, bewundere ich sie, nehme höchstens einen Bissen (falls mein Partner eine bestellt) oder verzichte und begnüge mich mit Kaffee. Keine Frau sollte ihre Eitelkeit völlig aufgeben.

 

 

Foto: Matthew Henry – Unsplash

 

Nennen wir es ein authentisches Leben, was ich versuche, zu führen. Dazu gehört Spaß, vielleicht eine Live Band am Abend in einer Jazzbar. Den Gesehen-Werden-Wahn überlasse ich gerne anderen.

 

 

 

Foto: Eduardo Sanchez – Unsplash

 

 

Gesunder Genuss wird mit zunehmenden Jahren zu meiner Passion. Keine extremen Ernährungsformen, keine Askese, sondern von allem etwas, aber wenn möglich von dem Gesunden ein bisschen mehr.

 

 

 

 

Foto: Martina Misar-Tummeltshamm – Unsplash

 

 

Der hat es gut. Er bleibt sein kurzes Leben lang wunderschön. Eine philosophische Überlegung: Wie würde der Schmetterling wohl das Altern verkraften, wenn seine Flügel faltig, die Farben trübe und das Fliegen zunehmend anstrengend oder schmerzhaft würden?

 

 

 

 

Foto: Paul Talbot – Unsplash

Solche Wimpern sollte frau haben. Und zwar lebenslang. Der kleine Neid klettert bei diesem Anblick nun doch in mir hoch. Also husche ich schnell ins Bad, öffne den Schrank, greife nach der Mascara. Zwei Lagen auftragen, nach jeder Schicht die Wimpern sorgfältig mit dem Kämmchen trennen. Geschafft, ohne zu patzen. Ist wie Radfahren. Das verlernt man auch nie. Ein schneller Blick in den Spiegel und die Erkenntnis: Sollte ich unbedingt wieder öfter, wenn nicht regelmäßig tun. Kleiner Aufwand, große Wirkung.
Meine Liebe zu den Beautyhelfern ist offenbar immer noch vorhanden. Doch wie jede Liebe muss ich sie manchmal neu beleben.

 

Meine aktuelle Schreibstimmung: Life is beautiful.
Der Lippenstift: „Red’y in 5“ von Lancôme        HKW_Website_ Icon Artikelende

Last modified: 13. April 2017

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