Im Tiefschlaf

von Schreiben

Während meine Seele munter in ihrer Hängematte schaukelte, hatte sich meine Kreativität entschlossen, zu schlafen. Sie verschlief die Tage am Meer, schnarchte laut und hemmungslos an einem schattigen Plätzchen unter Palmen.
Hatte ich tatsächlich erwartet, zu schreiben? Vielleicht sogar frische Ideen für Geschichten zu entwickeln? Etwa stundenlang konzentriert zu arbeiten, während der Ozean ein paar Meter entfernt rauschte? Oder Hemingway-esk Mojito zu schlürfen, derweil mir zündende Gedanken zu meinem Buch durch den Kopf schießen?
Die Wahrheit ist: Über ein paar belanglose Notizen kam ich nicht hinaus, weder mit noch ohne Mojito. Mein Buchprojekt befand sich am Ende der Ferien in exakt dem gleichen Status wie vor der Abreise.
Sonne, Sand und Wasser sind fantastisch, um abzuschalten, um der Seele frei zu geben. Zum kreativen Arbeiten brauche ich jedoch offenbar eine weniger exotisch-malerische Umgebung. Um in den Schreibmodus zu schalten, will meine Kreativität mehr „Brüche“, braucht sie Ecken und Kanten, an denen sie sich festhalten kann. Idyllische Urlaubsatmosphäre bedeutet dagegen, dass sie sich umgehend zum Schlummern legt, sobald die Koffer ausgepackt sind und ich in die Badelatschen geschlüpft bin. Als ich in Berlin landete, rieb sich die Kreativität verwundert die Augen, schüttelte sich und ist seitdem wieder hellwach.

Last modified: 24. Januar 2020

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