Vorsicht, das liebe Mädchen sticht

von Selbstmarketing / Selbst-PR

Warum soll ich eigentlich jedem Menschen gefallen, der meinen Weg kreuzt? Ein Plädoyer für die Nicht-Nettigkeit.

Zugegeben, ich gehöre ohnehin nicht zu der Kaste der Dauergrinser. Je nach Situation entgleisen mir die Gesichtszüge, was dem Gegenüber dann auch kaum verborgen bleibt. Durch meine subjektive Brille betrachtet, verhalte ich mich allerdings in den allermeisten Fällen nett bis zu nett. Menschen sind ohne ersichtlichen Grund pampig, einfach weil sie einen schlechten Tag haben, mit dem linken Fuß aus dem Bett gestiegen sind, Ärger im Job oder Privatleben ihnen die Laune verdirbt. Das ist zwar nicht mein Problem, aber sie machen es mit ihrer Unfreundlichkeit zu meinem Thema. Leider lasse ich das viel zu häufig zu, die Gründe siehe oben. Reagiere ich auf ähnliche Weise, lasse sie oder ihn spüren, wer hier Kunde (Patient, Passagier, Nachbar, Kollegin…) ist, eskaliert die Situation zur wenig zielführenden Diskussion, bei der beide Seiten nur verlieren können. Je nach Charakter und Temperament ist mein Gegenüber noch patziger als zuvor oder ich muss die beleidigte Miene (die Böse bin selbstverständlich ich) ertragen, bis das Gespräch beendet ist.

Diese Situation versuche ich wann immer möglich zu vermeiden, was mir dank meiner Erziehung zum braven Mädchen auch meistens gelingt. Allein, der Ärger bleibt. Das werde ich ab jetzt konsequent ändern. Nein, ich habe keineswegs vor zur Schreckschraube zu mutieren, ich will auf keinen Fall die unerträgliche, nervige, egozentrische Zicke geben. Doch einmal braves Mädchen, immer braves Mädchen ist auch keine Lösung mehr. Um mich herum scheinen sich alle verändert zu haben. Im Straßenverkehr, am Fahrstuhl, auf dem Gehweg, im Supermarkt und an den allermeisten anderen Orten benehmen sich die meisten Menschen wie Autisten. Weshalb soll ich also die Nachsichtige mit dem Lächeln sein? Gründe dagegen liefern Ursula Nubers Gebote, aber auch meine Erkenntnis: Wenn ich wenn nötig den Stachel ausfahre, indem ich mies gelaunten Zeitgenossen ihre Grenzen zeige, geht es mir besser. Meine Laune muss nicht im Keller landen, nur weil andere ihren Müll bei mir abzuladen versuchen.

Wer jetzt einwendet, das sei purer unsozialer Egoismus: Ja, ist es. Und es geht mir ausgesprochen gut mit dieser Entscheidung.

Foto: Gabby Orcutt – Unsplash

 

Last modified: 25. Februar 2019

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