Rushhour

von Lifestyle

Auf der vielspurigen Autobahn in meinem Kopf herrscht wieder einmal Hauptverkehrszeit.

„Ich habe nichts zu sagen“, schrieb eine in Mexiko lebende Autorin und Blogger-Kollegin kürzlich. Sie sitze auf dem Sofa, stricke und lasse dabei trotzig den Gedanken freien Lauf. Weshalb sie sich als trotzig empfand, ist unklar. Ich habe sie nicht danach gefragt. Die beschriebene Situation, das Sitzen auf dem Sofa, die Stricknadeln, die im gleichen Tempo durch die Wolle jagen wie die Gedanken durch den Kopf, kenne ich allerdings genau. Zwar stricke ich heute nicht, aber zu sagen habe ich auch nichts. Ich muss nachdenken. Auf den diversen Fahrspuren meines Highways sind Nachrichten, Probleme, Fantasien und Fragen unterwegs.

Im Internet darf im Medienzeitalter jeder seinen noch so abartigen Dreck für jedermann zugänglich abladen. Die Medien wurden zum Feind erklärt, nicht nur in Russland „verschwinden“ Journalisten für immer. Es ist einfach, sich lästiger Fragensteller zu entledigen. Zum Beispiel durch Auftragsmord, wie der Fall Khashoggi zeigt. Medienhasser wie Trump hält das jedoch keineswegs von Geschäften mit den Verbrechern ab.

In Deutschland beginnt die Vorweihnachtszeit üblicherweise in der Woche nach dem Totensonntag, also in der kommenden Woche. Seit Tagen ist meine Mailbox voll von „Superschnäppchen“ am „Black Friday“. Mobiltelefone, Klamotten und sogar Autoreifen muss ich morgen kaufen, wenn ich zu den cleveren Schnäppchenjägern gehören will. Am Montag sandte Douglas eine E-Mail mit dem Angebot „-20% zum Pre Beauty Friday“. Was soll dieser Scheiß? Der Black Friday ist der Freitag nach Thanksgiving, an dem die Amerikaner die Weihnachtseinkaufssaison eröffnen. Zur Erinnerung: In Deutschland feierten wir das Erntedankfest in diesem Jahr am 7. Oktober. Kennen die Marketingstrategen des Einzelhandels dieses kleine Detail überhaupt oder halten sie uns Verbraucher einfach nur für komplett verblödet?

Meine Gedanken wechseln bisweilen in die Nachbarspur. Weshalb ich zur Frage komme, in welcher Farbe ich dieses Jahr den Adventskranz gestalten soll? Wird vermutlich wie meist auf klassisches Rot hinauslaufen.

Ein Geständnis: Mit der Adventszeit entsteht unausweichlich die Lust auf einen Schmöker, eine Geschichte, die die Welt in die Guten und die Bösen unterteilt und in der am Ende genauso unausweichlich die Guten gewinnen. An anderer Stelle auf Mein blauer Lippenstift hatte ich von dieser Vorliebe schon berichtet. Diese leichte Lektüre genieße ich normalerweise. Vor ein paar Tagen habe ich mir allerdings ein Buch auf den Reader geladen, das sich als totaler Fehlgriff entpuppte, für den ich mich geradezu schäme. Ich werde auf keinen Fall die Autorin oder den Titel verraten. Das Werk als Kitsch zu bezeichnen träfe nur annähernd die Wahrheit. Was mich allerdings verblüfft, ist die Information, diese Autorin habe bereits mehrere Dutzend Bücher veröffentlicht. Mit dieser Schreibe? Wer liest einen solchen schlecht formulierten Schrott? Okay, es ist unfair, Euch, liebe Leser, im Dunkeln zu lassen. Ich denke darüber nach, ob ich die Details meines peinlichen Fehlgriffs in einem späteren Blogbeitrag doch enthüllen werde.

Mutti gibt ihren Posten als CDU-Vorsitzende am 8. Dezember endgültig ab. Wen soll man sich als Nachfolger oder Nachfolgerin wünschen? Gesundheitsminister Jens Spahn, der die Nähe zu Trump und Kurz sucht, und der immer wieder durch einigermaßen abwegige Ideen, wie der doppelt zu verneinenden Organspende ins Rampenlicht drängt? Herrn Merz, Multimillionär und eng verbandelt mit internationalen Finanzunternehmen, die es mit dem Versteuern nicht ganz so ernst nehmen? Oder Annegret Kramp-Karrenbauer, deren Beiname „Mini-Merkel“ zum Stolperstein werden könnte?

Auf dem Grünstreifen inmitten der Autobahn kauert ein weiterer Gedanke, der sich scheinbar noch ziert, auf die Gedankenfahrbahn zu wechseln. Wie gesagt, sitze ich nicht strickend auf dem Sofa, aber diese kleine Idee lässt mir seit Tagen keine Ruhe. Pulswärmer gehören zu meinen Must-haves in diesem Winter. Es gibt sie in diversen Ausführungen, in sämtlichen Wollarten und Mustern. Sie sind schnell gestrickt und passen zu jedem Outfit.

Wie Liza, meine Kollegin aus Yucatan, hatte ich nix zu sagen, um diesen Blog zu füllen. Danke jedoch, liebe Leser, dass Ihr trotzdem die Geduld aufbringt, mich während der Rushhour zu begleiten!

Last modified: 22. November 2018

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