Wie albern

von HKWs Pinnwand

Das lila Kaninchen springt in den Teich, um seine beste Freundin, die weiße Pudeldame, zu retten.

„Oh, du wärst eben beinahe über Lulu gestolpert“, sage ich zu meinem Partner. Er schaut mich an, stutzt, schaut auf den Fußboden und wieder zu mir. „Lulu?“, fragt er. „Ja, das niedliche lila Kaninchen, das seit heute bei uns wohnt. Es flitzt hier rum, du musst aufpassen“, antworte ich.
Wenn ich mich gestresst fühle, benehme ich mich albern. Dann bin ich fünf und tobe durch die Wohnung. Tatsächlich tobt nicht mein Körper, sondern mein Kopf. Er will spielen, will alle ernsten Themen, von denen wir derzeit mehr als genug zu ertragen haben, vergessen. Zu meinem großen Glück lebe ich mit einem Menschen zusammen, der meine schrägen Einfälle versteht und sich darauf einlässt. Wir albern zusammen herum, sehen, wie das lila Kaninchen um den Tisch hoppelt. Solche Momente entkrampfen die angespannte Situation. Wir sind für eine kleine Weile abgelenkt vom Virus, von den Sorgen bereitenden Nachrichten, von der Quarantäne, der Unwissenheit wie es weitergehen wird.
Mein wichtigstes Ventil, auch um Stress abzubauen, ist natürlich das Schreiben. Ich notiere jeden noch so banalen, unsinnigen Gedanken, lasse mich treiben. Manchmal entstehen dabei Geschichten. Die mögen für niemanden außer mir von Bedeutung sein, erfüllen jedoch während des Schreibens eine Art Therapiefunktion. Dafür bin ich dankbar. Meiner Fantasie und letztlich meinem Mut, mich nicht auf abgeklärte, „erwachsene“ Texte zu beschränken.

Was Omi wohl sagen wird, wenn sie das sieht? Katie hatte einen Stuhl zum Küchenschrank geschoben, war hochgeklettert und hatte zuerst die Dose mit den Streuseln, danach einen Pizzateller herausgeholt. Auf dem großen flachen Teller verteilt sie gleichmäßig die bunten Streusel und stellt ihn vor dem Haus aus Legosteinen auf, das sie heute gebaut hat. Die Legofamilie wird in das Haus einziehen. Und die braucht eine Wiese, auf der die Eltern mit den vier Kindern spielen können. Zur Familie gehört ein Hund, der dort auch herumtollen kann.
Omi will die Streusel später auf die Plätzchen streuen, die jetzt noch im Ofen backen. Der Duft erfüllt schon die Küche. Omi weiß sicher, dass eine Familie eine Wiese vorm Haus braucht. Und es muss eine bunte Wiese sein, weil viele Blumen auf ihr blühen. Katie lächelt, als ihre Oma die Küche betritt.

https://pressemitteilungen.pr.uni-halle.de/index.php?modus=pmanzeige&pm_id=2656

Last modified: 28. März 2020

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