Zeit für neue Projekte

von Beruf

Am ersten Montag im September lebe ich den American Way of Life. Dann feiern die Amerikaner den Labor Day, den Tag der Arbeit. Das erste Wochenende im September, dem dieser nationale Feiertag folgt, markiert das Ende des Sommers. Man verbringt noch einmal ein paar schöne Stunden mit der Familie am Strand oder auf dem Land, picknickt, trifft Freunde und hat Spaß, bevor es zurück in die Stadt und an den Arbeitsplatz geht. Das neue Schul- und Studienjahr fängt an, der lange Sommerurlaub für Schüler und Studenten ist vorbei, und die Erwachsenen haben ihren durchschnittlich zweiwöchigen Jahresurlaub aufgebraucht. Ein neues langes Arbeitsjahr beginnt.

Back to school, back to work

Üblicherweise habe ich am Lebensstil der Amerikaner eine ganze Menge zu kritisieren, was zurzeit gipfelt an der schieren Möglichkeit, dass sie imstande sein könnten, einen offenbar aus einer Freakshow entlaufenen Dödel zu ihrem Präsidenten zu wählen. Doch das ist ein anderes, wenn auch ernstes Thema.
Und doch gibt es einiges an ihrem Lebensstil, das mir entspricht. Das Labor Day-Wochenende zum Beispiel bedeutet für mich seit Jahren den Sommer optimistisch und aktiv zu beenden. Optimismus und Aktivität bezeichnen unter anderem den Way of Life der Amerikaner. Zur Philosophie des Labor Day gehört also auch die Lust am Neustart.

Wir Deutschen sehen den 1. Januar als Aufforderung für Veränderungen. Mag sein, der Jahreswechsel ist geeignet für gute Vorsätze wie etwa ein paar Kilos loszuwerden nach der Völlerei der Feiertage, mit Sport zu beginnen oder das Rauchen aufzugeben, die Klassiker der guten Vorsätze. Sie durchzuhalten fällt den meisten von uns aber spätestens am 3. Januar schon wieder verdammt schwer. Um mit frischen Ideen neue Projekte zu starten, ist der Jahresbeginn ein denkbar ungünstiger Zeitpunkt. Stattdessen schleppen wir uns mit ziemlich schlechtem Gewissen bis zum Frühling, weil in der dunklen Jahreszeit alles ein wenig schwerer fällt.

Ich habe mich für den „amerikanischen Weg“ entschieden. Wenn die große Sommerhitze vorbei ist, die Tage aber immer noch angenehm warm und hell, macht es mir Freude, mich mit möglichen Veränderungen in meinem Leben und Beruf zu befassen. Der Energietank meines Körpers ist gut gefüllt, die Sommerlaune noch nicht aufgebraucht. Anders gesagt: Nach den Ferien, nach Tagen in der Sonne und im Müßiggang, verspüre ich große Lust Neues zu beginnen.

Die Verlockungen des Sommers sind vorbei

Keine wunderbaren Ablenkungen mehr, wie sie nur der Sommer bietet: Sonne von früh bis zum Schlafengehen, Hitze, schwitzen, abkühlen, sofort wieder schwitzen, den Vögeln, Bienen, Blumen zuschauen, unter den mediterranen Schatten einer Markise flüchten, Eis lecken, gekühlte Cocktails schlürfen … All das ist schön, zumindest für einige Wochen.
Das Szenario Anfang September: Graue Wolken mischen sich zwischen weiße, verdecken den blauen Himmel, die Sonne verzieht sich immer mal wieder, es regnet, die Temperatur sinkt nicht nur nachts merklich.
Und doch lässt mich der Herbstwind nicht vor Kälte zittern. Ich bin ein bisschen aufgeregt, das schon, weil es jetzt an den Start geht, meine in den letzten Wochen zusammengetragenen Ideen in Projekte umzusetzen.
Die hochsommerliche Lethargie ist vorüber, der Kopf wieder eingeschaltet, er hat Platz geschaffen für neue Gedanken, für Gedanken ohne die unverbindliche Leichtigkeit langer Sommertage. Der September ist außerdem ideal für Veränderungen, weil er nicht die Gemütsschwere der „dunklen“ Monate heraufbeschwört, er ist dem Sommer noch so nah. Im eher trägen, nachweihnachtlich manchmal traurigen Januar dagegen gaukeln wir uns vor, neu beginnen zu müssen, „gute“ Vorsätze zu benennen und zu befolgen. Ein Irrglaube! Wer nicht von Natur aus ein Wintermensch ist, wer nicht aufblüht während kurzer Tage und langer kalter Nächte, wer viel lieber den grauen mitteleuropäischen Himmel hinter sich lassen möchte, bis zum Frühling ans Mittelmeer oder besser in die Karibik fliehen, schafft im Januar keinen Neubeginn.

Mein September-Projekt in diesem Jahr: Ein Buch schreiben

So starte ich in den September, ohne unrealistische Euphorie, aber mit jeder Menge optimistischer Pläne, die in die Tat umgesetzt werden wollen. Genau genommen handelt es sich um den EINEN Plan, den ich verwirklichen werde: Mein seit einigen Monaten vernachlässigtes Buch zu Ende zu schreiben. Georgina, die Protagonistin, schlich sich in den vergangenen Wochen immer wieder in meine Gedanken. Sie hatte sich zurückgezogen, gab mir Raum, meinen Blog Mein blauer Lippenstift zu starten, ließ mich unter der Markise im Garten dösen, lesen und die Tage verbummeln. Doch jetzt ist sie der Meinung, es sei an der Zeit, ihre Geschichte zu erzählen. Und sie besteht darauf, dass ich mit der gebotenen Ernsthaftigkeit an die Arbeit gehe!

Nun ist ja der Roman keine brandneue Idee, Georgina nicht eben erst geboren. Doch als Projekt ganz oben auf der Liste stand er (oder vielmehr sie) bislang nicht. Neu ist allerdings das Genre, in dem ich ein Buch schreibe, kaum vergleichbar mit meinem Fachbuch Live your Business. Grund genug, Georgina endlich den Platz zu geben, den sie sich wünscht: die erste Position auf der Projektliste für mein neues Arbeitsjahr.

Meine aktuelle Schreibstimmung: Auf zu neuen Ufern!
Der Lippenstift: „Jaipur“ von Rituals        HKW_Website_ Icon Artikelende

 

Last modified: 27. September 2016

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